Brasilien - Die Unordnung der Peripherie


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Brasilien - Die Unordnung der Peripherie

Artikel-Nr.: Soc.Deu38

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Die vorliegende Analyse Brasiliens gewinnt ihre Kraft aus einem Rückgriff auf Michel Foucault und Karl Marx als Eckpfeiler einer Theorie, die Raum und Macht als verwobene Phänomene wahrnimmt. Dieser engagierte Zugang ordnet sich in die Tradition politökonomischer Studien ein, bei der es um das Wechselspiel zwischen dem Handeln in einem abgrenzbaren Territorium (einem politischen Machtbehälter) und der strukturellen Einbettung in polit-ökonomische Verflechtungen geht: Selbstbestimmung und Demokratie vor Ort auf der einen Seite, Weltmarkteinbindung und ökonomische Globalisierung auf der anderen. Der Ausgang dieses Kräftespiels ist ungewiß, denn weder gibt es eine unentrinnbare ökonomische Logik von Profit und Kapital, noch dürfen politische Handlungsspielräume naiv überschätzt werden. Auch für Brasilien gilt, daß Menschen Geschichte und Geographie machen - aber eben nur innerhalb vorgegebener Strukturen. Diese Strukturen sind vom europäischen Kolonialismus und der daraus resultierenden abhängigen Stellung in der Weltwirtschaft geprägt. Als portugiesische Kolonie (1500-1822) erlebte Brasilien eine auf Sklaverei begründete Wirtschaft, die auf Zuckerexport und Bergbau beruhte. Die politische Unabhängigkeit war mit einer Unterordnung unter britische Vorherrschaft verbunden, als Zugpferde dienten Kaffee sowie erste Ansätze von Industrie. Die Weltwirtschaftskrise (1929) begünstigte die Inangriffnahme einer nationalstaatszentierten Entwicklung mit klaren politischen Akzentsetzungen durch den Staat. 1982 stieß die staatliche Politik an die Grenzen der voranschreitenden Globalisierung und gab das Land erneut dem Weltmarkt preis.Die Erfahrung der letzten 500 Jahre lehrt, daß Widerstand von unten struktureller Bestandteil der widersprüchlichen Un-Ordnung Brasiliens ist. Früher oder später, in bekannten oder ganz neuen Formen, wird die Unordnung erneut herausgefordert werden. Der Autor: Andreas Novy, 1963 in Wien geboren, studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie am Österreichischen Institut für Raumplanung. Seit 1999 ist er außerordentlicher Universitätsprofessor an der Abteilung für Regionalentwicklung am Institut für Wirtschaftsgeographie der WU-Wien. Gastprofessuren in Sao Paolo, Rio de Janeiro, Sussex und Graz.

von Andreas Novy

Erschienen im April 2001

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